Kursbeschreibung
Das Ziel einer Vernehmung ist es, eine möglichst richtige, vollständige und detaillierte Aussage von Zeugen/innen und aussagewilligen Beschuldigten zu einer Sache zu gewinnen.
Diese Aussage sollen Vernehmer/innen mit möglichst wenig verfälschenden Fragen und anderen negativen Einflussnahmen gewinnen. Erinnerungen sind allerdings nicht passiv und „auf Knopfdruck“ abspielbar. Vernehmer/innen arbeiten deshalb in der Praxis überwiegend mit spezifischen Fragen (z.B. W-Fragen). Solche Fragen erhöhen jedoch unter Umständen das Risiko, falsche, ungenaue und unvollständige Aussagen zu erhalten und Erinnerungen längerfristig zu verfälschen. Besonders bei jungen, kognitiv oder psychisch beeinträchtigten Aussagepersonen besteht dieses Risiko. Eine weitere Herausforderung in der Vernehmung ist, wenn Zeugen/innen und Beschuldigte vermeintlich absichtlich falsch aussagen (lügen). Schließlich ist die Vernehmung audiovisuell aufzuzeichnen und angemessen zu protokollieren.
Der invetra-Kurs trainiert Lösungsmöglichkeiten für solche und andere Herausforderungen in der Vernehmung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernehmung von Zeugen/innen. Die Trainingsinhalte sind aber auch bei der Vernehmung von aussagewilligen Beschuldigten notwendig und anwendbar.
Das Ziel von invetra ist, sowohl erfahrenen Vernehmer/innen wie auch Berufseinsteigern/innen aus dem polizeilichen und juristischen Bereich die Möglichkeit zu geben, ihre Vernehmungsfertigkeiten zu erweitern. Eine zentrale Bedeutung nimmt dabei der freie Bericht ein. Deshalb trainieren Teilnehmer/innen intensiv einen Vernehmungsansatz, der im Wesentlichen auf informationsgewinnenden Aufforderungen basiert. Diese Aufforderungen unterstützen Zeugen/innen und Beschuldigte bei Abruf und Wiedergabe von relevanten Informationen und führen zu mehr richtigen und detaillierten Informationen als spezifische Fragen (W-Fragen).
Außerdem lernen die Teilnehmer/innen strategisches Vernehmen kennen (u.a. Strategic Use of Evidence [SUE] Framework). Hier üben sie insbesondere, wie sie in der Vernehmung relevante Informationen zum Testen von Hypothesen gewinnen können. Vertiefend gehen sie darauf ein, wie sie mittels vorliegender Informationen die Strategien von Aussagepersonen testen können und sie taktisch zur Gewinnung neuer, richtiger Informationen nutzen können.
Der Kurs behandelt weiter, wie sich verzerrte/konfirmatorische Denkweisen (Voreinstellung) der Vernehmer/innen negativ auf die Vernehmung auswirken können. Anhand von realen Fällen lernen Teilnehmer/innen Untersuchungsergebnisse zu verzerrten Denkweisen kennen. Außerdem üben sie, wie sie dem entgegenwirken können, um eine Vernehmung ergebnisoffen zu führen.
Schließlich üben Teilnehmer/innen suggestive Prozesse und Lügen in Aussagen einzuschätzen und hierfür angemessen zu protokollieren. Auch hier verknüpft invetra realitätsnahes Fallmaterial mit Untersuchungsergebnissen.
Der invetra-Kurs basiert auf einem Trainingskonzept, das speziell zum Erlenen von psychologisch angemessenen und effektiven Vernehmen ist.